Walross trifft Brandgans.

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich mit Walross 4 rund Kap Hoorn segeln und im Yachthafen Hohe Düne den letzten Anleger dieser insgesamt zweieinhalbjährigen Weltreise des Berliner ASV fahren durfte: Mein großes „Abenteuer Diabetes“ fand damit am 8. Juli 2010 seinen vorläufigen Abschluss: 6 Monate und 15.000 Meilen auf See – ohne Unterzuckerung. Wer damals nicht live dabei war: Im Logbuch 2010 könnt ihr den gesamten Törn noch einmal mitsegeln, genauso wie auf www.accu-chek-mobile.de

Ich liege mit Tadorna im Hafen von Marstal, der traditionsreichen Hochburg der dänischen Seefahrt. Mona, Jamaica und ich haben das Schiffahrtsmuseum besucht, den Nachbau des Marstal-Schoners Bonavista bestaunt und uns im Super Brugsen neu verproviantiert: Frisch gebackenes Schwarzbrot, Käse und Wurst, Obst, Gemüse und Ymer, dänischen Saueryoghurt. Frische Lebensmittel halten sich an Bord nur begrenzt: Wir haben keinen Kühlschrank, lagern sie stattdessen in Tupperdosen tief in der Bilge unter der Wasserlinie – dort ist es am kühlsten. Hier liegen auch meine Insulinvorräte: wasserdicht verpackt, direkt auf dem Kiel. Weiter oben, in den Schapps, stapeln sich Trockenvorräte wie Nudeln, Reis und Müsli, Dosen mit Eintopf und Ravioli, luftgetrocknete Salami, Kekse, Schokoladenvorräte, Müsliriegel und Knäckebrot. Nur die Traubenzuckervorräte, die sich schon bei geringer Feuchtigkeit schnell auflösen, bleiben in meinem wasserdichten Diabetes-Koffer verstaut.

Wir wollen weiter: Ankern in der dänischen Südsee. Ein Anruf von Sven, der die Vorschiffs-Crew des Walross auf der Kap Hoorn-Etappe mit seinem Schnarchen aus der Steuerbordkoje unterhielt, lässt uns noch einen Tag warten: Er hat vor kurzem seinen Schiffer gemacht, die ASV-interne Prüfung zum Schiffsführer des Walross. Heute ist er zu seiner ersten, alleinverantwortlichen Seereise aufgebrochen, zur ASV-100-Challenge, einer Prestige-Regatta: Walross 4 gegen Peter von Danzig, Berlin gegen Kiel, ASV gegen ASV – ein Wettkampf in verbands- und bundesbrüderlicher Freundschaft. Und Sven hat gerade meine letzte Positionsmeldung auf Facebook entdeckt und entschieden: Das Walross wird heute Nacht auf See bleiben, den Fehmarnsund aufkreuzen und morgen früh hier sein!

Über die Parallelen zwischen „Rund Kap Hoorn“ und „Raus ins Blaue!“, einer richtigen Seereise und einem Segelsommer, zwischen Abenteuer und Alltag habe ich ja bereits vor vier Wochen geschrieben. Als ich mit meiner „kleinen Brandgans“ am Walross festmache werden die Unterschiede deutlich: 7,64 Meter versus 56 Fuß – die Hochseeyacht des ASV ist rund doppelt so breit, dreimal so lang, viermal so schwer und fünfmal so geräumig wie Tadorna. Meine Diabetes-Ausrüstung ist dagegen beinahe die gleiche: Insulin, Messgerät und CGM-System, das sind die wesentlichen Inhalte meines Diabetes-Koffers, auf dem Südpazifik genauso wie in der dänischen Südsee.

Wir beschließen, den Abend bei Ærøskøbing vor Anker zu verbringen. Mit Tadorna kann ich das enge Fahrwasser zwischen Ærø und den vielen vorgelagerten Flachs und Inseln aufkreuzen; das Walross muss aufgrund seines Tiefgangs einmal die Insel runden und die dreifache Strecke zurücklegen. Als ich die Bucht erreiche, lassen wir den Anker vor den bunten Badehütten des weißen Sandstrands auf wenigen Metern Wassertiefe fallen – Jamaica muss Gassi gehen. Wir rudern an Land, baden und bringen unserem Bordhund das Schwimmen bei. Jamaica ist noch etwas ängstlich, strampelt sich durch die seichten Wellen, schnappt nach Luftblasen, Schaum und Spritzern und schluckt eine gehörige Portion Seewasser, hat dann aber sichtlich Spaß an der Sache.

Als das Walross weiter draußen vor Anker geht kommen wir dazu, Jan kocht eine riesige Portion Labskaus, und der Abend klingt mit 7 ASVern, Mona, Jamaica und mir im winzigen Cockpit von Tadorna aus, die eine gute Planke tiefer im Wasser liegt. Heute Abend lasse ich meinen Diabetes Diabetes sein: eine große Flasche Tequila aus unserer Bordbar macht die Runde, ausgelutschte Zitronenscheiben ziehen langsam achteraus und bilden eine im Mondlicht glitzernde Fährte – wer ihr folgen sollte, träfe auf eine ausgelassene Schar junger ASVer, die sich singend und lachend auf einem viel zu kleinen Folkeboot Geschichten vom Meer erzählen…

Sommer 2012: Grün

Dieser Sommer soll einfach nur schön werden. Kein harter Einhandtörn rund Ostsee. Keine 15.000 Meilen rund Kap Hoorn. Einfach nur Segeln. Ich freue mich auf ein paar entspannte Wochen in der dänischen Südsee mit Freundin Mona, Bordhund Jamaica und Tadorna, meinem 50 Jahre alten Folkeboot.

Anders als vor vier Jahren, als ich meine „kleine Brandgans“ für zwei Sommer rund Ostsee ausrüstete und die anstehenden Arbeiten, Einkäufe und sonstigen Vorbereitungen Wochen und Monate in Anspruch nahmen, muss ich heute eigentlich nur meine Segelsachen packen, einmal die Aldi-Regale plündern und meine neuen Segel anschlagen – Tadorna ist seeklar. Ich habe sie in den letzten zwei Jahren grundlegend überholt, dafür eigens eine kleine Werft gegründet und aus meinem alten Schiff einen vollwertig ausgestatteten Hochseesegler gemacht.

Und anders als 2010, als ich zum Segeln über Dubai und Sydney nach Neuseeland flog, um dort an Bord des Walross zu gehen und mit wechselnden Crews rund Kap Hoorn nach Hamburg zu segeln, musste ich heute morgen nur aufstehen, mit Jamaica zum Bäcker laufen und Mona und mir einen Kaffee kochen: Wir wohnen seit Anfang Mai an Bord, im Stadthafen von Schleswig.

Nahezu gleichgeblieben ist der Inhalt meines orangenen, wasserdichten Diabetes-Koffers – meine „Abenteuer Diabetes“-Grundausrüstung. Die Anzahl der benötigten Insulinkartuschen und Messkassetten ist zwar deutlich geringer als in den letzten Jahren, aber das hat nichts mit dem Revier, dem Schiff oder der Tatsache, dass ich diesen Sommer nicht einhand unterwegs bin zu tun – sie ist lediglich definiert durch die Zahl der Wochen, die ich auf See sein möchte.

Davon abgesehen muss ich einen Segel-Sommer in Dänemark als Diabetiker genauso planen wie eine Weltumsegelung: Die dänische Südsee ist genauso „Abenteuer Diabetes“ wie der Southern Ocean, mein Diabetes auf Tadorna genauso unberechenbar wie an Bord des Walross und meine Einstellung zu einer schweren Unterzuckerung auf See bleibt die gleiche, ob allein oder mit Crew: Sie darf einfach nicht vorkommen.

Es ist Sonntag, der 15. Juli 2012. Ich werfe einen Blick auf meinen CGM-Monitor, messe sicherheitshalber noch schnell meinen Blutzucker und drehe das Schild meines Liegeplatzes auf grün – bis Anfang September werde ich ihn nicht brauchen. Zusammen mit Havhingsten, dem weltgrößten Nachbau eines Langschiffes, das anlässlich der Wikingertage Haithabu, Schleswig und die Schlei besucht hat, setzen wir die Segel. Mona steht am Bug und winkt meinem Bruder, der vom Steg aus ein Abschiedsfoto schießt. Jamaica, die sich mit ihren sechs Monaten den Titel „Bordhund“ erst noch verdienen muss, knurrt ein etwas nervöses Welpenknurren. Ich hole die Schoten dicht, luve an, und Tadorna legt sich freudig glucksend auf die Seite – wir sind unterwegs.

 

Abenteuer Diabetes

Ich bin sicher kein Vorzeigediabetiker. Mein HbA1c geht in Ordnung – aber er ist nicht unter 7. Ich hatte schon lange keine schwere Unterzuckerung mehr – aber Werte unter 60 versetzen mich auch nicht gleich in Panik. Und Ketoazidosen kenne ich zwar nur vom Erzählen – aber das mag daran liegen, dass ich auch bei 300 noch keinen Ketonstreifen anpisse. Ich bin Bastian: 34 Jahre alt, Segler, Autor und Gründer von „Abenteuer Diabetes“.

„Abenteuer Diabetes“ beruht auf Erfahrungen aus 15 abwechslungsreichen Jahren Leben mit Diabetes: Studium in Deutschland, mehrjährige Auslandsaufenthalte in Beirut und Damaskus, Arbeitsstationen als Nahostexperte in Berlin, Paris und New York – und zuletzt drei Sommer auf See: Einhand rund Ostsee, mit Tadorna nach Haparanda und 15.000 Meilen rund Kap Hoorn.

Segeln ist Abenteuer. Und für mich ist Segeln mehr als ein Hobby – es ist meine absolute Leidenschaft. Ich liebe das Gefühl von Freiheit, das sich einstellt sobald ich die Leinen löse, von Unabhängigkeit und Einfachheit, wenn ich mit meiner „kleinen Brandgans“ Tadorna unterwegs bin. Mit ihr lebe ich meinen großen Traum von Freiheit – jetzt und hier.

In meinen Logbüchern habe ich zwischen Längen- und Breitengraden, Kursen und Wetterberichten immer auch Blutzuckerwerte und –kurven, Insulinmengen und Mahlzeiten, besondere Vorkommnisse und offene Fragen notiert, genauso wie die Ausstattung meines orangenen, wasserdichten Diabetes-Koffers. Die Parallelen zwischen guter Seemannschaft und einem verantwortungsvollen Umgang mit Diabetes sind erstaunlich, motivieren und machen Mut! Und sie lassen sich mühelos auf den Alltag übertragen: Denn Diabetes ist Abenteuer – jeden Tag.

Die auf meinen Seereisen gesammelten Einsichten und Erfahrungen möchte ich mit „Abenteuer Diabetes“ teilen – in Vorträgen und Diskussionen, mit meinem Engagement für DiabetesDE, die Deutsche Diabetes-Hilfe und die DDH-M, in Zusammenarbeit mit meinen Partnern und Sponsoren und natürlich jetzt und hier – auf www.abenteuer-diabetes.de und auf Facebook: www.facebook.com/AbenteuerDiabetes. Und vielleicht kann ich dem ein oder anderen ein wenig dabei helfen, seinen eigenen Traum zu leben – nicht trotz, sondern mit Diabetes.

Bastian Hauck

 

Puerto Williams

Drei Wochen nach unserer ersten Rundung des Kap Hoorn stehe ich tatsächlich vor dem stählernen Albatross auf der Isla de Hornos. Einige hundert Meter entfernt dreht das WALROSS seine Kreise in der kleinen Ankerbucht.

Eigentlich sind wir auf dem Weg nach Buenos Aires – aber die neue Crew hat es sich nicht nehmen lassen, die gute Wetterlage für einen kurzen Abstecher nach Süden zu nutzen, um den Fels der Felsen selber in Augenschein zu nehmen. Wir machen ein Gruppenfoto vor der kleinen Inselkapelle, werden vom Leuchtturmwärter und seiner Frau begrüßt und lassen uns den obligatorischen Kap Hoorn-Stempel in die Pässe drücken. Dann wird es höchste Zeit für den Rückweg – die Gegend um Kap Hoorn ist bekannt für schnelle Wetterumschwünge, und unser kleines Schlauchboot hat bereits Mühe, gegen die hohen Wellen zurück zum Schiff zu kommen.

Drei Tage später kämpfen wir uns bei Sturmstärke tief gerefft durch die berüchtigte Le Maire Straße. Kurz vor Mitternacht hören wir unseren Steuermann laut aufschreien: Er ist im dunklen, nassen Vorschiff ausgerutscht und mit dem linken Auge in den Haken eines Kleiderbügels gefallen! Ein Teil des Augenlids ist abgerissen, es blutet entsetzlich, er kann nichts mehr sehen. Wir drehen bei, versuchen das Schiff trotz hoher Wellen möglichst ruhig zu halten, während Dieter einen ordentlichen Schluck Rum bekommt und unser Bordarzt sich an die Notoperation macht: 11 Stiche direkt über dem Augapfel!

Wir überlegen, den britischen Militärhafen auf den Falklandinseln anzulaufen – aber bis dahin sind es noch drei Tage gegenan. Der Schiffer fällt die einzig richtige Entscheidung: Es geht zurück nach Puerto Williams, dem südlichsten Yachthafen der Welt. Dort gibt es einen kleinen Sportflughafen. Über Satellitentelefon und mit Unterstützung der deutschen Botschaft organisieren wir eine Cessna, die Dieter und mich als Begleitperson nach Ushuaia ausfliegen wird. Von dort soll es direkt weiter ins deutsche Krankenhaus nach Buenos Aires gehen.

Während wir in Puerto Williams noch eine Flugtauglichkeitsbescheinigung vom lokalen Militärarzt einholen müssen komme ich ins Gespräch mit einem dänischen Segler-Ehepaar: Poul und Vibeke haben hier festgemacht um einen Maschinenschaden zu beheben. Sie warten seit Wochen auf Ersatzteile und müssen ihre Weltumsegelung jetzt unterbrechen, weil Vibeke Diabetikerin ist und ihre Vorräte an Insulin und Messstreifen zur Neige gehen! Wir vergleichen unsere Insulinart, unsere Tagesdosis und Vorratslisten – Ergebnis: Ich habe zwei Ersatzmessgeräte, ausreichend Testkassetten und genug Insulin dabei, um einen Teil abgeben zu können – genug, um Vibeke zumindest die amerikanische Westküste erreichen zu lassen. Während unsere Cessna schon zum Landeanflug ansetzt erkläre ich ihr schnell noch die Handhabung meines Accu-Chek Mobile – sie ist genauso begeistert von dem Gerät wie ich – und drücke ihr eine eilig gepackte Tüte mit Testkassetten und Insulinkartuschen in die Hand, dann hupt das Taxi.

Wenig später fliegen wir den unter uns liegenden Beagle-Kanal entlang, zur Linken liegen die südlichen Ausläufer Chiles, rechts glitzern die schneebedeckten Bergkuppen Feuerlands. Ich drehe mich im Cockpit der kleinen Sportmaschine um, werfe einen letzten Blick auf den kleinen Hafen von Puerto Williams und denke über die Zufälle des Lebens nach. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Diabetiker treffen? Und das hier, am Ende der Welt? Unter solchen Umständen? Und ich muss an die Worte des 70-jährigen Kommodore vom akademischen Segler-Verein Stettin denken. Als ich dort im Herbst 2008 mit meiner kleinen TADORNA einlief, mit kaputtem Motor, lecken Planken und vielen tausend Meilen Ostsee im Kielwasser, und ihm ein paar Tage später für seine bedingungslose Hilfe danke wollte, sagte er nur: „Every sailor needs a little help now and then. Help me by helping someone else.“

Mit freundlicher Unterstützung von Roche Diagnostics Deutschland.
Das Logbuch „Mit Accu-Chek Mobile rund Kap Hoorn“ erschien zuerst auf www.accu-chek-mobile.de

Auckland, Neuseeland

Als ich meinen Diabetes-Koffer packe liegt das WALROSS bereits in Neuseeland. Seit November 2007 ist es auf Weltumsegelung, war als einziges deutsches Schiff zu Gast bei den Olympischen Sommerspielen in China, hat erfolgreich an einer der härtesten Regatten der Welt, dem Sydney-Hobart-Race, teilgenommen, und wartet jetzt auf eine neue Crew, die es nach hause segeln soll. Wir sind eine recht bunt zusammengewürfelte, generationenübergreifende Gruppe von 10 Seglern, die sich Anfang des Jahres in Auckland einfindet: Unser „Küken“ Jan wird unterwegs seinen 20. Geburtstag feiern; Hans möchte sich mit 74 Jahren endlich seinen Jugendtraum vom Kap Hoorn erfüllen.

Nach zweiwöchigen Reparaturen und diversen Großeinkäufen ist das WALROSS am 18. Januar endlich seeklar. Vor dem Auslaufen geht es an die Sicherheitseinweisung: Der Schiffer erläutert Maßnahmen für den Seenotfall, erklärt jedem Crewmitglied seine persönliche Sicherheitsausrüstung (Automatik-Schwimmweste mit Lifebelt) und wiederholt ein ums andere Mal die wohl älteste, aber auch wichtigste Segler-Regel: „Eine Hand für den Mann, eine Hand für’s Schiff!“. Wer in einem ausgewachsenen Sturm über Bord geht, hat kaum eine Überlebenschance.

Dann bin ich an der Reihe, beschreibe meinen Crewkameraden woran sie eine Unterzuckerung erkennen können, was im Notfall zu tun ist, und zeige ihnen mein Accu-Chek Mobile. Ich habe noch nie ein Blutzuckermessgerät besessen, das so einfach zu bedienen ist: Stechhilfe spannen, pieksen, Abdeckplatte aufschieben und das Gerät mit der Unterseite kurz an den Finger halten – das war’s. Und alles mit einer Hand! Es dauert keine fünf Minuten, dann hat jeder einmal seinen eigenen Blutzucker bestimmt und nickt bestätigend – keine weiteren Fragen.

Endlich laufen wir aus. Bei strahlendem Sonnenschein segeln wir vor dem Wind aus dem Hauraki-Golf, Delfine umspielen den weißen WALROSS-Rumpf; als es dunkel wird hinterlassen ihre schnellen Bewegungen leuchtende Streifen im Wasser. Erst als gegen vier Uhr morgens die Sonne aufgeht drehen sie um: Die neuseeländische Küste ist nur noch ein dunkler Strich am Horizont, wir werden die nächsten vier Wochen kein Land mehr sehen. Dafür kreuzt gegen Mittag eine Schule Orcas unser Kielwasser, und schon bald tauchen die ersten Albatrosse auf, drehen neugierig den Kopf zur Seite und umfliegen in langen Parabeln unser Schiff; sie werden unsere treuen Wegbegleiter sein.

Mit freundlicher Unterstützung von Roche Diagnostics Deutschland.
Das Logbuch „Mit Accu-Chek Mobile rund Kap Hoorn“ erschien zuerst auf www.accu-chek-mobile.de

Berlin

„Diabetes-Bedarf für 120 Tage auf See“. So steht es ganz oben auf dem vergilbten Zettel, anhand dessen ich schon zwei Mal meinen wasserdichten Diabetes-Koffer bestückt habe. Letztes Jahr bin ich mit meinem 50 Jahre alten Folkeboot TADORNA einhand bis nach St. Petersburg gesegelt, dreieinhalbtausend Meilen; diesen Sommer habe ich den nördlichsten Leuchtturm der Ostsee aufgesucht. Vor kurzem ist mein erstes Buch erschienen, ich halte Diavorträge und Lesungen, arbeite an einem Dokumentarfilm über den bottnischen Meerbusen, und TADORNA steht im Winterlager und wartet auf anstehende Reparaturen. Eigentlich könnte ich mich zurücklehnen und auf ein paar ruhige Festtage freuen.

Mir läuft ein leichter Schauer über den Rücken, die Zahlen verschwimmen vor meinen Augen – dann reiße ich mich zusammen, zücke den Bleistift und mache aus der zwei eine runde acht: 180 Tage. Ein halbes Jahr. 180 mal 5 macht neunhundert Messstreifen, plus Reserve, sowie mindestens drei Blutzucker-Messgeräte – falls eines unterwegs ausfällt oder verloren geht. 180 mal 30 macht 5400 Einheiten Langzeit-Insulin, und nochmal mindestens so viel normales für die Mahlzeiten. Dazu Pens, Stechhilfen, Nadeln, schnellwirkender Flüssigzucker und mehrere GlucaGen Hypo-Kits – man kann nie wissen.

Ich muss mich beeilen, denn schon in wenigen Tagen soll es losgehen. Dass ich tatsächlich dabei sein würde, weiß ich erst seit wenigen Tagen: Dabei als Stammcrew auf unserem Vereinsschiff WALROSS 4, für die Rückreise von Neuseeland nach Hamburg. Vor allem über meine Teilnahme an der ersten Etappe dieser Reise war vereinsintern viel diskutiert worden: Von Auckland nach Ushuaia, Feuerland, sind es rund 5500 Seemeilen (10.000 km), quer über den Südpazifik, durch die „Brüllenden 40er“ und „Schreienden 50er“, gefürchtet ob ihrer heftigen Stürme und gefährlich hohen Wellen – und am Ende Kap Hoorn, der Mount Everest der Segler. Und das mit einem Diabetiker an Bord?

Meine Diabetologin war zunächst ebenfalls alles andere als begeistert, und auch ich bin mir der Risiken durchaus bewusst: Wie wird mein Körper auf die extremen Anstrengungen, die niedrigen Temperaturen, den vom rotierenden Wachsystem bestimmten Tagesablauf, auf Schlafmangel und unregelmäßige Mahlzeiten reagieren? Was tun bei Seekrankheit? Wie schütze ich mich vor einer Unterzuckerung auf See? Und vor allem: Was, wenn doch etwas passiert? Unsere Route führt knapp nördlich der Eisberggrenze gen Westen, fernab jeder Insel oder Schifffahrtsroute und außer Reichweite jeglicher Hilfe von außen – wir werden auch im Notfall auf uns allein gestellt sein.

Den Ausschlag gab schließlich mein neues Accu-Chek Mobile. Ausgerüstet mit diesem Blutzucker-Messgerät konnte ich allen Seiten glaubhaft versichern, meinen Diabetes auch unter extremer Belastung und widrigen Bedingungen immer unter Kontrolle zu haben.

Mit freundlicher Unterstützung von Roche Diagnostics Deutschland.
Das Logbuch „Mit Accu-Chek Mobile rund Kap Hoorn“ erschien zuerst auf www.accu-chek-mobile.de