Handsigniert und mit persönlicher Widmung: Raus ins Blaue!

Aus aktuellem Anlass (Interview auf n-tv) und aufgrund der vielen Nachfragen: Natürlich könnt Ihr „Raus ins Blaue!“ und „Post aus Haparanda“ auch weiterhin direkt über mich beziehen – handsigniert, mit original Tadorna-Stempel und auf Wunsch gerne auch mit persönlicher Widmung!

Schreibt mir einfach eine Email mit ein paar Stichworten: Soll es ein Geschenk sein? Ein besonderer Motivations-Spruch für einen guten Freund? Oder einfach zum Selber-Lesen, Lachen und Mitsegeln?

Das Buch kostet 19,90 EUR, die DVD „Post aus Haparanda“ mit einem Mitschnitt meines Vortrags auf dem Welt-Diabetes-Tag 24,90 EUR. Adresse nicht vergessen!

Ich schicke Euch Buch und Film, sobald ich aus Dänemark zurück bin. Wer so lange nicht warten möchte: Den Film gibt es zum sofortigen Download auf segel-filme.de, dann sogar in Full-HD und für nur 12,00 EUR:

http://shop.segel-filme.de/film-downloads/toernfilme/raus-ins-blaue-teil-2-post-aus-haparanda-hd-download.html

Liebe Grüße von Bord aus der dänischen Südsee,

Bastian

Seit HEUTE online: Interview bei n-tv

Liebe „Abenteuer Diabetes“-Freunde,

Seit heute ist es online: Ein ausführliches Interview mit n-tv Wissen über mein Leben mit Diabetes, von der Erstdiagnose über meine „Raus ins Blaue!“-Törns mit Folkeboot Tadorna bis zu meinem großen Abenteuer „Rund Kap Hoorn“.

Wer mehr über meinen Umgang mit Diabetes wissen will: Diese Seiten sind endlich online und werden nach und nach mit Leben gefüllt. Ich freue mich über Eure Fragen und Kommentare – hier oder auf Facebook: www.facebook.com/AbenteuerDiabetes

 

Von Grillen und Hunden

Avernakø ist eine kleine, längliche Insel in der dänischen Südsee, auf halbem Weg zwischen Marstal und Faaborg, wo wir die letzten Regen- und Gewittertage verbracht haben. Ursprünglich waren es zwei Inseln, aber Nord- und Südteil sind durch einen aufgeschütteten Damm miteinander verbunden. Wir liegen in Korshavn, einer kleinen Brücke an der windgeschützten Innenseite der Südinsel. Neben Tadorna liegt Digger mit Stephan, Kathleen und Polly, Jamaicas Tante.

Wer auch immer den Begriff „fauler Hund“ erdacht hat – er kannte sicher keine Parsson-Russel-Terrier! Die beiden sind einfach nicht tot zu kriegen, waren heute schon Schwimmen, Stöckchen holen, Schwimmen, Strandbuddeln, Schwimmen, Enten jagen, Schwimmen und nochmal Schwimmen. Also leihen wir uns vier Fahrräder und machen uns auf den Weg zum Insel-Kaufmann, Grillfleisch besorgen und Hunde hetzen.

Die alten, klapprigen Damenfahrräder, für die man 10 Kronen in einen hölzernen Briefkasten wirft, haben leider keine Gangschaltung. Das Vorhaben, Jamaica und Polly ihr Limit zu zeigen scheitert daher kläglich: Ein Müsliriegel, zwei Stunden und 10 Kilometer später packen wir verschwitzt und ziemlich außer Atem unsere Rucksäcke aus, während Polly und Jamaica – schwimmen gehen. Den Lauf zum Kaufmann haben sie in lockerem Jogging-Stil absolviert, das Rückrennen über den schmalen Damm zwischen Nord- und Südinsel mühelos gewonnen, und als im frisch gemähten Weizenfeld ein Hase die Löffelohren zu weit aufstellte wurde noch ein Gang zugelegt…

Wir legen ein kurzes Nickerchen ein, duschen und machen uns dann ans Grillen: Schweinebauch und Nackensteak, Pölser und grobe dänische Grillwurst, dazu Zucchini und Auberginenscheiben, Paprika, Lauch und Zwiebeln. Nur Baguette haben wir vergessen, und es gibt gerade mal vier mittelgroße Kartoffeln, die wir mit Butter, Salz und Rosmarin in Alufolie wickeln und direkt ins Feuer werfen. Kohlenhydrate sind heute Mangelware, dafür sorgen Bier und Rotwein aus einem Pappcontainer gegen Mitternacht für die nötige Bettschwere.

Wir grillen viel diesen Sommer, und meine nächtlichen CGM-Kurven und Morgenwerte sehen nach einem solchen Abend oft katastrophal aus: Ich habe mich nie wirklich mit der Berechnung von Fetten und Proteinen abgegeben, konzentriere mich stattdessen auf die „normalen“ KEs und runde eher intuitiv. Verzögerte FPE-Boli sind bei einer ICT mit Pen und schnellwirksamem Analog-Insulin in der Praxis sowieso schwierig umsetzbar. Natürlich geht das besser, natürlich denke ich über Alternativen nach, natürlich könnte, sollte, müsste… Aber für den Moment nehme ich morgendliche Kopfschmerzen und diesen stechenden Druck auf der Blase einfach in Kauf, winde mich noch vor Sonnenaufgang aus Monas Umarmung und lehne mich an Tadornas Heck gegen die Seereling, um die salzige Ostsee zu süßen. Dann schiebe ich Jamaica zur Seite, die inzwischen meinen warmen Platz im Schlafsack übernommen hat, trinke einen Schluck Wasser, korrigiere mit ein paar Einheiten Insulin und kuschele mich wieder an meine Freundin. So ist das eben – ich bin kein Vorzeigediabetiker.

 

Walross trifft Brandgans.

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich mit Walross 4 rund Kap Hoorn segeln und im Yachthafen Hohe Düne den letzten Anleger dieser insgesamt zweieinhalbjährigen Weltreise des Berliner ASV fahren durfte: Mein großes „Abenteuer Diabetes“ fand damit am 8. Juli 2010 seinen vorläufigen Abschluss: 6 Monate und 15.000 Meilen auf See – ohne Unterzuckerung. Wer damals nicht live dabei war: Im Logbuch 2010 könnt ihr den gesamten Törn noch einmal mitsegeln, genauso wie auf www.accu-chek-mobile.de

Ich liege mit Tadorna im Hafen von Marstal, der traditionsreichen Hochburg der dänischen Seefahrt. Mona, Jamaica und ich haben das Schiffahrtsmuseum besucht, den Nachbau des Marstal-Schoners Bonavista bestaunt und uns im Super Brugsen neu verproviantiert: Frisch gebackenes Schwarzbrot, Käse und Wurst, Obst, Gemüse und Ymer, dänischen Saueryoghurt. Frische Lebensmittel halten sich an Bord nur begrenzt: Wir haben keinen Kühlschrank, lagern sie stattdessen in Tupperdosen tief in der Bilge unter der Wasserlinie – dort ist es am kühlsten. Hier liegen auch meine Insulinvorräte: wasserdicht verpackt, direkt auf dem Kiel. Weiter oben, in den Schapps, stapeln sich Trockenvorräte wie Nudeln, Reis und Müsli, Dosen mit Eintopf und Ravioli, luftgetrocknete Salami, Kekse, Schokoladenvorräte, Müsliriegel und Knäckebrot. Nur die Traubenzuckervorräte, die sich schon bei geringer Feuchtigkeit schnell auflösen, bleiben in meinem wasserdichten Diabetes-Koffer verstaut.

Wir wollen weiter: Ankern in der dänischen Südsee. Ein Anruf von Sven, der die Vorschiffs-Crew des Walross auf der Kap Hoorn-Etappe mit seinem Schnarchen aus der Steuerbordkoje unterhielt, lässt uns noch einen Tag warten: Er hat vor kurzem seinen Schiffer gemacht, die ASV-interne Prüfung zum Schiffsführer des Walross. Heute ist er zu seiner ersten, alleinverantwortlichen Seereise aufgebrochen, zur ASV-100-Challenge, einer Prestige-Regatta: Walross 4 gegen Peter von Danzig, Berlin gegen Kiel, ASV gegen ASV – ein Wettkampf in verbands- und bundesbrüderlicher Freundschaft. Und Sven hat gerade meine letzte Positionsmeldung auf Facebook entdeckt und entschieden: Das Walross wird heute Nacht auf See bleiben, den Fehmarnsund aufkreuzen und morgen früh hier sein!

Über die Parallelen zwischen „Rund Kap Hoorn“ und „Raus ins Blaue!“, einer richtigen Seereise und einem Segelsommer, zwischen Abenteuer und Alltag habe ich ja bereits vor vier Wochen geschrieben. Als ich mit meiner „kleinen Brandgans“ am Walross festmache werden die Unterschiede deutlich: 7,64 Meter versus 56 Fuß – die Hochseeyacht des ASV ist rund doppelt so breit, dreimal so lang, viermal so schwer und fünfmal so geräumig wie Tadorna. Meine Diabetes-Ausrüstung ist dagegen beinahe die gleiche: Insulin, Messgerät und CGM-System, das sind die wesentlichen Inhalte meines Diabetes-Koffers, auf dem Südpazifik genauso wie in der dänischen Südsee.

Wir beschließen, den Abend bei Ærøskøbing vor Anker zu verbringen. Mit Tadorna kann ich das enge Fahrwasser zwischen Ærø und den vielen vorgelagerten Flachs und Inseln aufkreuzen; das Walross muss aufgrund seines Tiefgangs einmal die Insel runden und die dreifache Strecke zurücklegen. Als ich die Bucht erreiche, lassen wir den Anker vor den bunten Badehütten des weißen Sandstrands auf wenigen Metern Wassertiefe fallen – Jamaica muss Gassi gehen. Wir rudern an Land, baden und bringen unserem Bordhund das Schwimmen bei. Jamaica ist noch etwas ängstlich, strampelt sich durch die seichten Wellen, schnappt nach Luftblasen, Schaum und Spritzern und schluckt eine gehörige Portion Seewasser, hat dann aber sichtlich Spaß an der Sache.

Als das Walross weiter draußen vor Anker geht kommen wir dazu, Jan kocht eine riesige Portion Labskaus, und der Abend klingt mit 7 ASVern, Mona, Jamaica und mir im winzigen Cockpit von Tadorna aus, die eine gute Planke tiefer im Wasser liegt. Heute Abend lasse ich meinen Diabetes Diabetes sein: eine große Flasche Tequila aus unserer Bordbar macht die Runde, ausgelutschte Zitronenscheiben ziehen langsam achteraus und bilden eine im Mondlicht glitzernde Fährte – wer ihr folgen sollte, träfe auf eine ausgelassene Schar junger ASVer, die sich singend und lachend auf einem viel zu kleinen Folkeboot Geschichten vom Meer erzählen…

Sommer 2012: Grün

Dieser Sommer soll einfach nur schön werden. Kein harter Einhandtörn rund Ostsee. Keine 15.000 Meilen rund Kap Hoorn. Einfach nur Segeln. Ich freue mich auf ein paar entspannte Wochen in der dänischen Südsee mit Freundin Mona, Bordhund Jamaica und Tadorna, meinem 50 Jahre alten Folkeboot.

Anders als vor vier Jahren, als ich meine „kleine Brandgans“ für zwei Sommer rund Ostsee ausrüstete und die anstehenden Arbeiten, Einkäufe und sonstigen Vorbereitungen Wochen und Monate in Anspruch nahmen, muss ich heute eigentlich nur meine Segelsachen packen, einmal die Aldi-Regale plündern und meine neuen Segel anschlagen – Tadorna ist seeklar. Ich habe sie in den letzten zwei Jahren grundlegend überholt, dafür eigens eine kleine Werft gegründet und aus meinem alten Schiff einen vollwertig ausgestatteten Hochseesegler gemacht.

Und anders als 2010, als ich zum Segeln über Dubai und Sydney nach Neuseeland flog, um dort an Bord des Walross zu gehen und mit wechselnden Crews rund Kap Hoorn nach Hamburg zu segeln, musste ich heute morgen nur aufstehen, mit Jamaica zum Bäcker laufen und Mona und mir einen Kaffee kochen: Wir wohnen seit Anfang Mai an Bord, im Stadthafen von Schleswig.

Nahezu gleichgeblieben ist der Inhalt meines orangenen, wasserdichten Diabetes-Koffers – meine „Abenteuer Diabetes“-Grundausrüstung. Die Anzahl der benötigten Insulinkartuschen und Messkassetten ist zwar deutlich geringer als in den letzten Jahren, aber das hat nichts mit dem Revier, dem Schiff oder der Tatsache, dass ich diesen Sommer nicht einhand unterwegs bin zu tun – sie ist lediglich definiert durch die Zahl der Wochen, die ich auf See sein möchte.

Davon abgesehen muss ich einen Segel-Sommer in Dänemark als Diabetiker genauso planen wie eine Weltumsegelung: Die dänische Südsee ist genauso „Abenteuer Diabetes“ wie der Southern Ocean, mein Diabetes auf Tadorna genauso unberechenbar wie an Bord des Walross und meine Einstellung zu einer schweren Unterzuckerung auf See bleibt die gleiche, ob allein oder mit Crew: Sie darf einfach nicht vorkommen.

Es ist Sonntag, der 15. Juli 2012. Ich werfe einen Blick auf meinen CGM-Monitor, messe sicherheitshalber noch schnell meinen Blutzucker und drehe das Schild meines Liegeplatzes auf grün – bis Anfang September werde ich ihn nicht brauchen. Zusammen mit Havhingsten, dem weltgrößten Nachbau eines Langschiffes, das anlässlich der Wikingertage Haithabu, Schleswig und die Schlei besucht hat, setzen wir die Segel. Mona steht am Bug und winkt meinem Bruder, der vom Steg aus ein Abschiedsfoto schießt. Jamaica, die sich mit ihren sechs Monaten den Titel „Bordhund“ erst noch verdienen muss, knurrt ein etwas nervöses Welpenknurren. Ich hole die Schoten dicht, luve an, und Tadorna legt sich freudig glucksend auf die Seite – wir sind unterwegs.

 

Abenteuer Diabetes

Ich bin sicher kein Vorzeigediabetiker. Mein HbA1c geht in Ordnung – aber er ist nicht unter 7. Ich hatte schon lange keine schwere Unterzuckerung mehr – aber Werte unter 60 versetzen mich auch nicht gleich in Panik. Und Ketoazidosen kenne ich zwar nur vom Erzählen – aber das mag daran liegen, dass ich auch bei 300 noch keinen Ketonstreifen anpisse. Ich bin Bastian: 34 Jahre alt, Segler, Autor und Gründer von „Abenteuer Diabetes“.

„Abenteuer Diabetes“ beruht auf Erfahrungen aus 15 abwechslungsreichen Jahren Leben mit Diabetes: Studium in Deutschland, mehrjährige Auslandsaufenthalte in Beirut und Damaskus, Arbeitsstationen als Nahostexperte in Berlin, Paris und New York – und zuletzt drei Sommer auf See: Einhand rund Ostsee, mit Tadorna nach Haparanda und 15.000 Meilen rund Kap Hoorn.

Segeln ist Abenteuer. Und für mich ist Segeln mehr als ein Hobby – es ist meine absolute Leidenschaft. Ich liebe das Gefühl von Freiheit, das sich einstellt sobald ich die Leinen löse, von Unabhängigkeit und Einfachheit, wenn ich mit meiner „kleinen Brandgans“ Tadorna unterwegs bin. Mit ihr lebe ich meinen großen Traum von Freiheit – jetzt und hier.

In meinen Logbüchern habe ich zwischen Längen- und Breitengraden, Kursen und Wetterberichten immer auch Blutzuckerwerte und –kurven, Insulinmengen und Mahlzeiten, besondere Vorkommnisse und offene Fragen notiert, genauso wie die Ausstattung meines orangenen, wasserdichten Diabetes-Koffers. Die Parallelen zwischen guter Seemannschaft und einem verantwortungsvollen Umgang mit Diabetes sind erstaunlich, motivieren und machen Mut! Und sie lassen sich mühelos auf den Alltag übertragen: Denn Diabetes ist Abenteuer – jeden Tag.

Die auf meinen Seereisen gesammelten Einsichten und Erfahrungen möchte ich mit „Abenteuer Diabetes“ teilen – in Vorträgen und Diskussionen, mit meinem Engagement für DiabetesDE, die Deutsche Diabetes-Hilfe und die DDH-M, in Zusammenarbeit mit meinen Partnern und Sponsoren und natürlich jetzt und hier – auf www.abenteuer-diabetes.de und auf Facebook: www.facebook.com/AbenteuerDiabetes. Und vielleicht kann ich dem ein oder anderen ein wenig dabei helfen, seinen eigenen Traum zu leben – nicht trotz, sondern mit Diabetes.

Bastian Hauck

 

Mit Diabetes “Raus ins Blaue!”

Als langjähriger Diabetiker möchte ich mit “Raus ins Blaue!” Mut machen und zeigen, dass es sich auch mit Diabetes frei und unabhängig leben – und segeln! – lässt.

Zum Thema “Diabetes an Bord” habe ich bereits in meinem ersten Buch geschrieben. Unter anderem gibt es dort einen kurzen Anhang, in dem ich meine ganz persönlichen Erfahrungen mit Themen wie “Planung, Lagerung, Versicherung”, “Anpassung der Insulintherapie” und “Unterzuckerung, Seekrankheit, Schlafdefizit” schildere.

Auch in meinem Film kommt das Thema Diabetes zur Sprache. Auf der DVD befindet sich zusätzlich ein Mitschnitt meines Vortrags auf der Zentralveranstaltung des Welt-Diabetes-Tages 2010 in Berlin.

Natürlich kann und darf ich hier keine medizinischen Ratschläge geben. Wer Fragen zum Thema “Diabetes und Sport” hat, findet (fast) alle Antworten in der “Diabetes und Sportfibel”, vor kurzem in dritter Auflage im Kirchheim Verlag erschienen. Ulrike Thurm und Dr. Bernhard Gehr gehen dort auf die unterschiedlichsten Aspekte der Vereinbarkeit von Sport und Diabetes ein – im Alltag, in der Freizeit, im Urlaub oder auch im Leistungssport. Das Buch ist auch für Laien verständlich geschrieben und gespickt mit Anschauungsbeispielen und Erfahrungsberichten von Sportlern aus den unterschiedlichsten Disziplinen – von Aerobic über Radfahren, Fußball, Kampfsport, Laufen, Schwimmen, Skifahren, Tauchen und Tennis bis hin zum Wildwasser-Kanuslalom – eine wahre Fundgrube für jeden aktiven Diabetiker. Nur Segeln ist leider nicht dabei. Wer segelspezifische Fragen hat ist daher herzlich eingeladen, mir zu schreiben – ich werde versuchen so gut ich kann zu antworten.

Zum Abschluss noch ein Zitat aus „Raus ins Blaue!“:

Natürlich gibt es ein Restrisiko. Ob man dieses Risiko auf sich nehmen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich ist der unbedingte Wille, noch oft und lange sicher und gesund segeln zu können die beste Motivation, gut mit mir selbst, meinem Leben und damit meinem Diabetes umzugehen.

Hamburg

Im November 2007 ist das WALROSS des Akademischen Segler Vereins von Cuxhaven aus gestartet, Ziel: Peking und die Olympischen Sommerspiele. Die erste Etappe nach Gran Canaria bin ich damals mitgesegelt; dann ging es mit wechselnden Crews rund um die Welt, das Schiff nahm an der Atlantic Rallye for Cruisers (ARC) und dem berüchtigten Sydney-Hobart-Race teil und überwinterte in Neuseeland, bis wir Anfang 2010 zur Rückreise rund Kap Hoorn antraten. Gut zweieinhalb Jahre und 50.000 Seemeilen später soll dieses Projekt jetzt auch wieder in Cuxhaven zu Ende gehen – wir machen uns auf zum letzten langen Schlag. Mittsommar, den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres, feiern wir bei absoluter Windstille mitten auf dem Ozean, der Vollmond spiegelt sich hundertfach im glatten Wasser der langen Atlantikdünung, und während wir gemütlich in Richtung französische Küste motoren, geht um drei Uhr morgens schon wieder die Sonne auf.

Nach zwei Wochen stehen wir vor der Einfahrt zum Englischen Kanal und bestimmen St. Malo für unseren Landfall, unseren ersten Hafen auf europäischem Festland. Hier war bis zu seiner endgültigen Auflösung im Jahr 2003 der ehrwürdige Club der Kap Hoorniers beheimatet: Mitglied waren ausschließlich Kapitäne, Offiziere und Matrosen der Handelsmarine, die Kap Hoorn noch unter Segeln gerundet hatten. Auch wenn diese Zeit vorbei, das WALROSS kein Großsegler und die EUROPA kein Frachtschiff ist – irgendwie habe ich das Gefühl, hier willkommen zu sein. Dieses Gefühl verstärkt sich, als wir Helgoland und damit erstmals wieder deutsche Gewässer erreichen: Der Hafenmeister, viele Segler und einige Inselurlauber erkennen uns, gratulieren und wollen das WALROSS besichtigen. Und wir reservieren einen Tisch in der Hafenkneipe „Bunte Kuh“, nehmen unsere „Bierbibel“, das Liederbuch des ASV, zur Hand und sorgen eine lange Nacht lang dafür, dass uns hier niemand so schnell wieder vergisst.

Wie geplant laufen wir am 3. Juli um 15 Uhr in Cuxhaven ein. Unter den Salingen wehen bunt die Gastlandflaggen der in den letzten Jahren besuchten Länder, und wir haben einen 25 Meter langen Heimkehrwimpel in den Farben des ASV – rot, weiß und blau – ins Masttopp gehisst. An Land erkennen wir Jan und Sven, die auf das Dach des lokalen Vereinshauses geklettert sind und den großen ASV-Stander schwenken, entlang der Pier stehen Pressefotografen und Journalisten, auf dem Stegkopf ist eine Zapfanlage und ein Klavier aufgebaut, und unsere Vereinsmitglieder schmettern uns ein Begrüßungslied entgegen, während wir den letzten Anleger dieser Reise fahren: Wir sind wieder hier.

Mit freundlicher Unterstützung von Roche Diagnostics Deutschland.
Das Logbuch „Mit Accu-Chek Mobile rund Kap Hoorn“ erschien zuerst auf www.accu-chek-mobile.de

Azoren

Am Morgen des 3. Mai, einem Montag, stehen wir kurz vor der „Linie“, der Grenze zwischen Nord- und Südhalbkugel. Gutem Seemannsbrauch entsprechend müssen sich Matrosen, die zum ersten Mal von der einen auf die andere Seite segeln, der Äquatortaufe unterziehen. In vielen Jahren Seefahrt haben sich die abenteuerlichsten Rituale herausgebildet, mit denen ein bereits äquatorbefahrenes, als Neptun verkleidetes Crewmitglied seine Täuflinge symbolisch von ihren Sünden reinwäscht – innerlich wie äußerlich. Nicht alle finden unsere Zustimmung, aber zumindest dem feucht-fröhlichen Teil dieser Tradition möchten wir uns nicht entziehen. Unser Problem: Wir haben keinen Neptun, denn selbst unser Schiffer ist Äquator-unbefahren!

Die Lösung bringt ein „Taufautomat“: Unsere rote Pütz wird mit einem Neptun bemalt, mit Wasser befüllt, über dem Steuerrad aufgehängt und mit einer langen Leine versehen, die wir hinterherschleppen; nun kann Neptun selbst, der Gott der Meere, mit einer größeren Welle den Eimer zum Kippen bringen und den Steuermann mit einem Schwall Atlantikwasser taufen. Zur inneren Reinigung gibt es einen Schluck Hochprozentiges, versehen mit brasilianisch-feurigen Chilischoten – wir sind zufrieden, und in entsprechend guter Stimmung setze ich mich an den Bordrechner und beantworte Fragen für ein Interview im Diabetes-Journal (erschienen in Ausgabe 07/2010).

Mit der Südhalbkugel haben wir leider auch die Zone günstiger Winde verlassen: Nördlich des Äquators erwarten uns die berüchtigten Rossbreiten oder Mallungen, in denen der Wind oft für Wochen ausbleibt. Das WALROSS dreht sich im spiegelglatten Wasser mit flappenden Segeln auf der Stelle, und die Sonne brennt so unbarmherzig von oben auf uns herab, dass auch gelegentliches Baden keine Linderung schafft. Unter Deck herrschen über 40 Grad, und mit zunehmender Besorgnis stellen wir fest, dass wir nicht nur nicht vorankommen, sondern unser gesamtes Obst und Gemüse vergammelt – wir müssen schon nach wenigen Tagen das Meiste über Bord kippen. Dann beginnt der Wassermacher, mit dem wir Seewasser entsalzen, Probleme zu machen. Und zu guter letzt streikt auch mein Messgerät: Das blinkende Thermometer im Display zeigt an, dass die Umgebungstemperatur für eine zuverlässige Blutzuckermessung zu hoch ist. Zum ersten Mal kommt mein geliebtes Accu-Chek Mobile an seine Grenzen – ein anderes Gerät, das ich als Ersatz dabei habe, zeigt nur Fehlercode „E-1“ an und gibt den Geist auf. Zum ersten Mal seit Jahren bestimme ich meinen Blutzucker wieder mit Messstäbchen, Wattebausch und Farbpalette – zum Glück nur bis zur Abendkühle…

Drei Tage später setzt der Nordostpassat ein. Mit Etmalen von bis zu 200 Meilen rauschen wir über den atlantischen Ozean, genießen traumhaftes Segeln und lassen uns auch von der Tatsache, dass es gegen Ende nur noch Reis mit Ketchup zu essen gibt, nicht unterkriegen. Und dann tauchen sie auf: die Azoren! Obwohl es im Umkreis von tausend Meilen nichts als Wasser gibt sind wir plötzlich zurück in Europa, können per Handy nach hause telefonieren, bezahlen den Hafenmeister in Euro und das lang herbeigesehnte Doppel-Whopper-Menü mit EC-Karte – denn die Azoren gehören zu Portugal.

Leider haben wir kein Glück mit dem Wetter – das Azorenhoch scheint sich anderswo aufzuhalten. Zwei Wochen lang erkunden wir bei Wind und Regen die Inseln Sao Miguel, Santa Maria, Pico und Faial – die Sonne meldet sich erst im Hafen von Horta, dem berühmten Weltumseglertreff, zurück. Hier verewigen sich seit Jahrzehnten Segelcrews mit Pinsel und Farbe auf den Kaimauern; nach etwas Suchen finden wir das Logo von WALROSS 3, dem Vorgängerschiff des ASV, aus dem Jahr 1988! Wir versehen es mit einem neuen, knallroten Rahmen, um es vor der drohenden Übermalung durch andere zu schützen, und malen lediglich ein kurzes Update darunter. „Unser“ WALROSS 4-Logo pinseln wir dafür drei Tage später auf die noch jungfräuliche Kaimauer der neuen Marina von Penta Delgada – wer weiß, vielleicht haben wir damit auch hier eine neue Tradition gestartet?

Mit freundlicher Unterstützung von Roche Diagnostics Deutschland.
Das Logbuch „Mit Accu-Chek Mobile rund Kap Hoorn“ erschien zuerst auf www.accu-chek-mobile.de

Valparaiso, Chile

Auf unserem Weg nach Norden komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir erkunden die Fjorde und Gletscher Patagoniens, landen auf kleinen Inseln mit riesigen Pinguin- und Robbenkolonien, sehen Seeleoparden ihr Territorium und ihren Harem verteidigen und junge Albatrosse ihre ersten Flugversuche unternehmen. Um den Bug der EUROPA spielen Delfine, und wir begegnen einer Schule von Blauwalen: Mit bis zu 30 Metern Länge sind sie die größten Säugetiere der Erde. Kapitän Klaas lässt alle Maschinen stoppen, während die drei Kolosse in vielleicht hundert Metern Entfernung an uns vorüberziehen – in über 16 Jahren Seefahrt, sagt Klaas, hat er sie noch nie so nahe gesehen.

Ich  finde mich inzwischen immer besser an Bord zurecht: Während ich zu Anfang noch recht hilflos um die drei großen Masten mit ihren dreißig Segeln herumstand, kann ich inzwischen sogar die Trainees einweisen und einteilen, wenn Segel gesetzt, geborgen oder gebrasst werden sollen. Ich weiß wie man die Beiboote klarmacht und aussetzt, die Propellerwellen der beiden Hauptmaschinen fettet und wie die Waschmaschinen funktionieren, finde mich in der Schiffskombüse zurecht und habe gelernt, jede Nacht bis zu 14 Laibe Brot zu backen und dabei die Namen unserer Gäste auswendig zu lernen.

Unter ihnen sind auch zwei Typ-I-Diabetiker: Gary, ein Amerikaner, hat seit 40 Jahren Diabetes – und ist topfit! Er bewahrt seine Insulinvorräte für den Törn in einer Thermoskanne auf: einfach, aber effektiv, das werde ich mir merken. Johan, ein junger Holländer, ist dagegen ein Beispiel dafür, wie man mit seinem Diabetes NICHT umgehen sollte. Als ich ihn anspreche reagiert er unwirsch, ganz so als hätte ich ein wohlgehütetes Geheimnis aufgedeckt. Später erzählt mir die Bordärztin, dass Johan der eigentliche Grund für mein Kletterverbot ist: Er war schon auf einer früheren Tour dabei, hatte damals niemanden über seinen Diabetes informiert, und ist dann in den Rahen des Großmastes unterzuckert. Ich nehme mir vor, ihn aufmerksam zu beobachten.

Dann bitte ich Klaas, mir trotz schlechter Erfahrung das Klettern in der Takelage zu erlauben. Ich zeige ihm mein Accu-Chek Mobile, erkläre, dass ich jederzeit – zur Not auch oben im Mast – meinen Blutzucker kontrollieren kann, präsentiere meinen Vorrat an Müsliriegeln in meinen Ölzeugtaschen – und habe Erfolg! Nach kurzer Sicherheitseinweisung klettere ich bis ins Topp des Großmastes, genieße die herrliche Aussicht und beobachte, wie sich die EUROPA 40 Meter unter mir durch ein Meer klirrender Eisschollen in die nächste Bucht schiebt. Um uns herum lugen hier und dort ein paar Robben aus dem Wasser, in der Ferne steigt die Fontäne eines Wals auf, dann rasselt der Anker. Wahnsinn.

Die nächsten Wochen vergehen wie im Fluge. Zu den Aufgaben an und unter Deck gesellt sich jetzt noch die Arbeit in den Rahen – bei Wind und Wetter, ob Tag oder Nacht werde ich in die Masten gejagt, um Segel zu bergen, zu brassen und aufzutuchen. Deckhand auf einem Großsegler wie der EUROPA zu sein ist wahrlich ein Knochenjob, und den Muskelkater, der mich seit Ushuaia begleitet, werde ich sicher noch einige Tage länger spüren. Schon jetzt steht für mich fest: Ich habe noch nie in meinem Leben so hart gearbeitet. Aber ich freue mich, dass ich auch mit meiem Diabetes allen Anforderungen gerecht werden kann, messe – allerdings nur zum Spaß und um mir selbst zu beweisen, dass es geht – hoch oben auf der obersten Rah meinen Blutzucker (120 mg/dl – was will man mehr!) und genieße jeden Tag in vollen Zügen.

Als wir einen Monat später Valparaiso erreichen wird unsere Flotte mit militärischen Ehren empfangen: Die chilenische Marine begleitet uns mit Zerstörern, Schnellbooten und U-Booten, Feuerlöschboote jagen ein Spalier aus Wasserfontänen in die Luft, und am Kai steht bei jedem Anleger eine Militärkapelle parat, die sogar die holländische Nationalhymne geübt hat. Und ich singe genauso selbstverständlich mit, wie ich beim Segelbergen kurz vor der Hafeneinfahrt in den Großmast geklettert bin, um das schwere Tuch zu raffen. Als wir festgemacht haben boxt mir Ruud, mein Wachführer, im Vorbeigehen freundschaftlich in die Seite, bleibt dann stehen, dreht sich um, legt mir seine beiden Pranken auf die Schultern und lacht mich anerkennend an: „Well done, mate, well done!“. Ich bin Teil dieser Mannschaft geworden.

Mit freundlicher Unterstützung von Roche Diagnostics Deutschland.
Das Logbuch „Mit Accu-Chek Mobile rund Kap Hoorn“ erschien zuerst auf www.accu-chek-mobile.de